Der Raffles Sling ist ein Cocktail, der nach Urlaub schmeckt – aber nicht nach Strandurlaub, sondern nach einer verrauchten Hotelbar in den 1920ern, in der die Deckenventilatoren surren und die Gäste in Leinenanzügen schwitzen. Er ist süß, aber nicht klebrig, sauer, aber nicht scharf, und hat eine Kräutertiefe, die man erst beim zweiten Schluck versteht. Der Trick liegt im Cherry Heering: Der dänische Kirschlikör gibt nicht nur Farbe, sondern auch eine fast tabakige Würze, die den Gin trägt wie ein guter Bassist die Band.
Und das brauchst du für den Raffles Sling
3 cl London Dry Gin
1,5 cl Zitronensaft
0,75 cl Grenadine
0,75 cl Cherry Heering (Kirschlikör)
0,5 cl Cointreau (Orangenlikör)
0,5 cl Bénédictine (Kräuterlikör)
12 cl Sodawasser
1 Spritzer Angostura Bitter (zum Garnieren)
Darauf kommt es an
Die meisten bauen den Raffles Sling falsch: Sie schütteln die Zutaten und kippen dann Soda drauf. Das Ergebnis ist ein matschiger, homogener Drink ohne Tiefe. Der echte Sling lebt von seinen Schichten – jede Zutat soll ihren eigenen Charakter behalten. Der Gin bleibt oben herb, der Cherry Heering unten süß-würzig, und das Soda verbindet alles, ohne es zu ertränken. Wichtig: Das Eis muss wirklich *crushed* sein, nicht nur grob gehackt. Wenn die Stücke zu groß sind, schmelzen sie ungleichmäßig, und der Drink wird wässrig, bevor man ihn ausgetrunken hat. Und noch ein Geheimnis: Die Angostura kommt *erst* zum Schluss. Wenn man sie vorher ins Glas gibt, zieht sie durch und färbt den ganzen Drink braun – das sieht aus wie ein verunglückter Planter’s Punch.
Varianten
- Singapore Sling (moderne Variante) — Manche Bars ersetzen den Cherry Heering durch Himbeersirup und fügen 1 cl Ananassaft hinzu. Das macht den Drink fruchtiger, aber weniger komplex. Wer es klassisch mag, bleibt beim Original.
- Raffles Sling ohne Alkohol — Ersetze den Gin durch 3 cl alkoholfreien Gin-Ersatz, den Cherry Heering durch 0,75 cl Kirschsaft und den Bénédictine durch 0,5 cl Kräutersirup. Das Ergebnis ist überraschend nah am Original – nur die tabakige Note des Cherry Heering fehlt.
Häufige Fragen
Warum heißt der Cocktail Raffles Sling?
Der Name geht auf das Raffles Hotel in Singapur zurück, wo der Drink in den 1910er Jahren erfunden worden sein soll. Der Begriff 'Sling' stammt aus dem 18. Jahrhundert und bezeichnete ursprünglich einen einfachen Mix aus Spirituose, Wasser und Zucker – hier wurde er zu etwas viel Komplexerem weiterentwickelt.
Kann ich statt Cherry Heering einen anderen Kirschlikör nehmen?
Nein. Cherry Heering ist nicht einfach nur süß, sondern hat eine rauchige, fast bittere Tiefe, die kein anderer Kirschlikör bietet. Wenn du ihn weglässt, fehlt dem Drink eine ganze Geschmacksebene. Falls du ihn nicht bekommst, nimm stattdessen 0,5 cl Kirschsaft und 0,25 cl Bitterlikör (z. B. Campari) – das kommt der Originalnote am nächsten.
Warum schichtet man den Drink und schüttelt ihn nicht?
Weil der Raffles Sling kein homogener Cocktail sein soll. Die Schichtung sorgt dafür, dass jeder Schluck anders schmeckt – mal herb vom Gin, mal süß vom Cherry Heering, mal frisch vom Soda. Wenn man ihn schüttelt, wird er zu einem langweiligen, braunen Einheitsbrei.
