KellnerbesteckBild vergrößern

Barkeeper Wissen

Kellnerbesteck – Was ist das?

Das Kellnerbesteck ist ein kompaktes Multifunktionswerkzeug, das in keiner Barschürze fehlen darf. Es vereint Korkenzieher, Kapselheber und Folienschneider in einem handlichen Format. Für Barkeeper ist es das wichtigste Werkzeug zum Öffnen von Weinflaschen und zum schnellen Aufmachen von Bierflaschen während des Service.

Was ein Kellnerbesteck ist

Ein Kellnerbesteck besteht aus einem klappbaren Gehäuse, meist aus Metall oder Kunststoff, in dem drei Funktionen integriert sind: eine Wendel (Spirale) zum Ziehen von Korken, ein Hebel mit Kerbe zum Öffnen von Kronkorken und ein kleines Messer zum Schneiden der Kapsel am Flaschenhals. Der Name stammt aus der klassischen Gastronomie, wo Kellner damit Weinflaschen am Tisch öffnen. In der Bar hat es sich als Standardwerkzeug durchgesetzt, weil es platzsparend ist und alle nötigen Funktionen bietet.

Die meisten Modelle arbeiten nach dem Zweistufen-Hebelprinzip: Nach dem Eindrehen der Wendel setzt man den Hebel auf den Flaschenhals und zieht in zwei Schritten den Korken heraus. Das schont die Handgelenke und macht das Öffnen auch bei langen Korken oder älteren Flaschen einfacher. Hochwertige Kellnerbestecke haben eine teflonbeschichtete Wendel, die sich leichter in den Korken dreht und weniger Krümel hinterlässt.

Woran man Qualität erkennt

Ein gutes Kellnerbesteck liegt schwer in der Hand und hat keine wackeligen Gelenke. Die Wendel sollte aus einem durchgehenden Stahldraht gefertigt sein, nicht aus mehreren zusammengeschweißten Teilen. Billige Modelle brechen oft an der Schweißnahe, wenn man einen festsitzenden Korken zieht. Die Spitze der Wendel muss leicht versetzt sein, damit sie sich zentriert in den Korken bohrt und nicht abrutscht.

Der Hebel sollte eine glatte Auflagefläche haben, damit er den Flaschenhals nicht zerkratzt. Bei Edelstahlmodellen ist die Verarbeitung der Kanten wichtig: scharfe Grate schneiden in die Finger, besonders wenn man unter Stress arbeitet. Das Messer muss scharf genug sein, um Folien sauber zu schneiden, aber nicht so scharf, dass man sich beim Zuklappen verletzt. Viele Profis bevorzugen Modelle mit Holz- oder Kunststoffgriff, weil sie besser in der Hand liegen als reine Metallausführungen.

In der Barpraxis

Hinter der Bar öffnet man damit vor allem Weinflaschen für Cocktails wie Aperol Spritz oder French 75. Der Kapselheber ist praktisch für Tonic Water in Glasflaschen oder Premium-Biere, die nicht mit Schraubverschluss kommen. Manche Barkeeper nutzen das Messerchen auch zum Schneiden von Zitronenzesten, auch wenn dafür eigentlich ein Paring Knife besser geeignet ist.

Die meisten tragen das Kellnerbesteck in der Schürzentasche oder am Gürtel. Es gibt Modelle mit Gürtelclip, die sich schnell greifen lassen. In hektischen Schichten ist es wichtig, dass man das Werkzeug nicht erst suchen muss. Deshalb haben viele Bars mehrere Kellnerbestecke an verschiedenen Stationen liegen. Nach dem Service sollte man die Wendel kurz abwischen, besonders wenn man Korken mit Schimmelbefall geöffnet hat.

Ein häufiger Anfängerfehler ist, die Wendel nicht tief genug in den Korken zu drehen. Wenn nur die obere Hälfte gefasst wird, bricht der Korken beim Ziehen ab. Die Wendel sollte fast bis zum Ende eingedreht sein, aber nicht durch den Korken durchstechen, sonst fallen Korkstücke in den Wein. Bei sehr alten Korken, die brüchig sind, hilft es, die Wendel langsam und gerade einzudrehen, ohne zu wackeln.

Häufige Irrtümer

Viele glauben, teurere Kellnerbestecke seien nur Statussymbole. Tatsächlich macht die Qualität einen spürbaren Unterschied, wenn man täglich Dutzende Flaschen öffnet. Ein billiges Modell für fünf Euro hält vielleicht ein halbes Jahr, ein Profi-Kellnerbesteck für dreißig Euro mehrere Jahre. Die Investition lohnt sich, weil man weniger Kraft braucht und seltener Korken zerstört.

Ein anderer Irrtum ist, dass das Zweistufen-Hebelsystem kompliziert sei. In Wahrheit ist es einfacher als ein klassischer Flügelkorkenzieher, weil man nicht gegen die Flasche drücken muss. Der erste Hebel zieht den Korken zur Hälfte, der zweite zieht ihn komplett heraus. Mit etwas Übung geht das in wenigen Sekunden.

Manche Barkeeper nutzen das Kellnerbesteck auch zum Öffnen von Schraubverschlüssen, indem sie den Hebel als Griff verwenden. Das funktioniert, ist aber nicht die gedachte Funktion und kann bei festsitzenden Verschlüssen das Werkzeug verbiegen. Für Schraubverschlüsse reicht die Hand oder ein Barhandtuch.

Passend dazu

Häufige Fragen

Welches Kellnerbesteck ist für Anfänger am besten?

Ein Modell mit Zweistufen-Hebel und teflonbeschichteter Wendel. Marken wie Pulltex oder Laguiole bieten solide Einsteigermodelle ab etwa fünfzehn Euro. Wichtig ist, dass der Hebel stabil ist und die Wendel gerade sitzt.

Wie reinigt man ein Kellnerbesteck richtig?

Nach jedem Gebrauch die Wendel mit einem feuchten Tuch abwischen, um Korkreste zu entfernen. Einmal pro Woche mit warmem Wasser und etwas Spülmittel reinigen, danach gut abtrocknen. Edelstahlmodelle können in die Spülmaschine, Modelle mit Holzgriff sollten von Hand gewaschen werden.

Was tun, wenn der Korken abbricht?

Die Wendel vorsichtig aus dem abgebrochenen Stück ziehen und schräg in den verbleibenden Korken eindrehen. Wenn das nicht funktioniert, den Rest mit einem Korkenzieher-Aufsatz für abgebrochene Korken entfernen oder den Korken vorsichtig in die Flasche drücken und den Wein durch ein Sieb gießen.

Braucht man in einer Bar mehrere Kellnerbestecke?

Ja, mindestens zwei. Eines für den aktiven Service in der Schürze, ein zweites als Reserve, falls das erste verloren geht oder kaputtgeht. In größeren Bars hat jeder Barkeeper sein eigenes, weil sich das Werkzeug an die Hand anpasst und man nicht ständig suchen muss.

Du weißt mehr dazu? Ergänze diesen Artikel.

Barkeeper Wissen

Mehr aus Barkeeper-Equipment

Gläser, Eis, Techniken und Spirituosen – erklärt hinter der Bar.

Zur Rubrik Barkeeper-Equipment