Tee ist nach Wasser das meistgetrunkene Getränk der Welt und seine Geschichte reicht über 5000 Jahre zurück. Lange bevor er in europäischen Salons serviert wurde, war er in China Medizin, Handelsware und Kulturgut zugleich. Für Barkeeper wurde Tee erst im 20. Jahrhundert interessant, als kalte Tee-Cocktails und Punches die klassische Spirituosenbar ergänzten. Heute erlebt Tee in der Mixologie eine Renaissance, die weit über den simplen Eistee hinausgeht.
Herkunft und frühe Verbreitung
Die Legende schreibt die Entdeckung des Tees dem chinesischen Kaiser Shen Nung zu, der um 2737 v. Chr. gelebt haben soll. Historisch gesichert ist, dass Tee spätestens während der Han-Dynastie (206 v. Chr. bis 220 n. Chr.) in China kultiviert und getrunken wurde. Zunächst als Heilmittel geschätzt, entwickelte sich der Teegenuss zur Kunstform, die in der Tang-Dynastie (618–907) ihre erste Blüte erlebte. Der Gelehrte Lu Yu verfasste im 8. Jahrhundert das Cha Jing, das klassische Buch vom Tee, das Anbau, Zubereitung und Zeremonie systematisch beschrieb.
Über die Seidenstraße und buddhistische Mönche gelangte Tee nach Japan, wo sich ab dem 12. Jahrhundert eine eigene Teekultur entwickelte. Die japanische Teezeremonie, Chanoyu, wurde zu einer meditativen Praxis, die Ästhetik, Philosophie und soziale Etikette vereinte. Nach Europa kam Tee erst im 17. Jahrhundert durch niederländische und portugiesische Händler. England machte ihn ab den 1660er Jahren zum Nationalgetränk, zunächst als teures Luxusgut des Adels, später als Alltagsgetränk aller Schichten.
Tee als Handelsware und politischer Faktor
Der Teehandel veränderte die Weltwirtschaft. Die British East India Company kontrollierte im 18. Jahrhundert den Import nach Europa und machte enorme Gewinne. Um die Handelsdefizite mit China auszugleichen, exportierte Großbritannien Opium aus Indien nach China, was zu den Opiumkriegen (1839–1842 und 1856–1860) führte. Diese Konflikte öffneten China gewaltsam für den westlichen Handel und hatten weitreichende politische Folgen.
Die berühmte Boston Tea Party von 1773 war ein direkter Protest gegen die britische Teesteuer und gilt als Auslöser der amerikanischen Revolution. Tee war also nicht nur Genussmittel, sondern auch Machtinstrument und Symbol politischer Auseinandersetzungen. Im 19. Jahrhundert begannen die Briten, Tee in ihren Kolonien Indien und Ceylon (heute Sri Lanka) anzubauen, um die Abhängigkeit von China zu verringern. Assam und Darjeeling wurden zu weltbekannten Anbaugebieten.
Tee in der Bar
In der klassischen Barkultur des 19. Jahrhunderts spielte Tee zunächst keine große Rolle. Punches, die oft Tee enthielten, waren bereits im 18. Jahrhundert in England und den amerikanischen Kolonien populär, wurden aber meist in privaten Gesellschaften serviert, nicht in öffentlichen Bars. Erst mit der Prohibition in den USA (1920–1933) gewann Tee an Bedeutung: Tearooms wurden zu legalen Treffpunkten, in denen heimlich auch Alkohol ausgeschenkt wurde.
Nach dem Zweiten Weltkrieg experimentierten Barkeeper verstärkt mit Tee als Zutat. Der Long Island Iced Tea, trotz seines Namens ohne echten Tee, entstand vermutlich in den 1970er Jahren und wurde zum Sinnbild für starke, süße Mixgetränke. Parallel dazu entwickelte sich in Asien eine eigene Cocktailkultur, die traditionelle Teesorten mit Spirituosen kombinierte. In Japan etwa wurden Matcha und Sencha in Drinks integriert, lange bevor dies im Westen Mode wurde.
Seit den 2000er Jahren erlebt Tee in der gehobenen Barszene eine Neubewertung. Barkeeper verwenden hochwertige Teesorten für Infusionen, Syrups und Fat-Washing. Kalter Tee, als Cold Brew zubereitet, liefert komplexe Aromen ohne Bitterstoffe. Auch Tee-Tonics und alkoholfreie Tee-Cocktails haben sich etabliert, da sie Tiefe und Struktur bieten, ohne auf Spirituosen angewiesen zu sein. Tee wird heute nicht mehr nur als Filler betrachtet, sondern als vollwertiger Geschmacksträger mit eigenem Profil.
Was davon in der Bar übrig ist
Die jahrtausendealte Teekultur hat der Bar vor allem eines hinterlassen: Respekt vor der Zutat. Während Tee früher oft lieblos aus Beuteln aufgegossen wurde, arbeiten moderne Barkeeper mit losen Blättern, achten auf Wassertemperatur und Ziehzeit. Die Vielfalt der Teesorten – von zartem weißen Tee über rauchigen Lapsang Souchong bis zu fermentierten Pu-Erh – eröffnet ein breites Aromaspektrum, das sich gezielt einsetzen lässt.
Auch die zeremonielle Dimension des Tees findet ihren Weg hinter die Bar. Die bewusste, ruhige Zubereitung, die in der japanischen Teezeremonie zentral ist, inspiriert Barkeeper, die Wert auf Handwerk und Präsentation legen. Tee verbindet dabei Tradition mit Innovation: Er ist historisch verankert und gleichzeitig offen für neue Interpretationen. In einer Zeit, in der Gäste zunehmend nach alkoholfreien Alternativen fragen, bietet Tee eine geschmackliche Tiefe, die weit über Softdrinks hinausgeht.
Passend dazu
- Punch
- Long Island Iced Tea
Häufige Fragen
Seit wann wird Tee in Cocktails verwendet?
Tee war bereits im 18. Jahrhundert Bestandteil von Punches, die in England und den amerikanischen Kolonien getrunken wurden. In der modernen Barkultur gewann Tee erst ab den 1970er Jahren an Bedeutung, erlebt aber seit den 2000er Jahren eine Renaissance in der gehobenen Mixologie.
Welche Teesorten eignen sich besonders für Cocktails?
Grundsätzlich lassen sich alle Teesorten verwenden, je nach gewünschtem Aromaprofil. Schwarzer Tee wie Earl Grey oder Assam bietet kräftige, malzige Noten, grüner Tee wie Sencha oder Gunpowder bringt Frische und Gras, Oolong liegt dazwischen. Rauchiger Lapsang Souchong, blumiger Jasmin oder erdiger Pu-Erh eröffnen weitere Möglichkeiten.
Warum heißt der Long Island Iced Tea so, obwohl kein Tee drin ist?
Der Name spielt auf die Optik an: Der Drink sieht aus wie Eistee, enthält aber eine Mischung aus mehreren Spirituosen und Cola. Die Bezeichnung sollte vermutlich harmlos wirken, obwohl der Cocktail sehr alkoholstark ist.
Wie bereitet man Tee für Cocktails am besten zu?
Für kalte Drinks empfiehlt sich Cold Brew: Tee über mehrere Stunden in kaltem Wasser ziehen lassen. Das Ergebnis ist weniger bitter und aromatisch klarer. Alternativ kann man Tee heiß aufgießen, abkühlen lassen und dann verwenden. Wichtig ist, auf Wassertemperatur und Ziehzeit zu achten, um Bitterstoffe zu vermeiden.
