Geschichte und Kultur

Bargeschichte – Die Geschichte der Bars in Europa

Die Bar, wie wir sie heute kennen, ist keine europäische Erfindung. Während in Amerika ab der Mitte des 19. Jahrhunderts Theken entstanden, an denen man stehend Drinks bestellte, blieb Europa zunächst bei Cafés, Wirtshäusern und Salons. Erst spät im 19. Jahrhundert schwappte die amerikanische Barkultur über den Atlantik – und traf auf eine Gesellschaft, die das Stehen beim Trinken erst lernen musste.

Europa vor der Bar

Bis weit ins 19. Jahrhundert hinein war das Trinken in Europa eine sitzende Angelegenheit. Wer Wein, Bier oder Schnaps wollte, ging ins Wirtshaus, in die Schenke oder ins Kaffeehaus. Dort saß man an Tischen, wurde bedient und blieb oft stundenlang. Die Theke, falls vorhanden, war Arbeitsplatz des Wirts, nicht Treffpunkt der Gäste. In England gab es zwar Pubs mit Counter, doch auch dort trank man sein Ale meist am Tisch. Das Stehen an der Bar galt als Zeichen von Eile oder niedrigem Stand – nicht als gesellschaftliches Ritual.

Die amerikanische Bar war anders konzipiert: schneller, direkter, demokratischer. Dort stand man Seite an Seite, bestellte beim Barkeeper und trank, was gerade gemixt wurde. Dieses Modell passte nicht ohne Weiteres in die europäischen Trinkgewohnheiten. Entsprechend zögerlich verlief die Übernahme.

Die ersten Bars in London und Paris

London war die erste europäische Stadt, in der amerikanische Bars Fuß fassten. In den 1860er- und 1870er-Jahren eröffneten einige Lokale, die sich explizit American Bar nannten und mit Cocktails, Stehplätzen und schnellem Service warben. Sie richteten sich zunächst an Amerikaner, Geschäftsleute und eine kosmopolitische Klientel, die das Neue suchte. Das Savoy Hotel eröffnete 1889 seine American Bar, die später unter Ada Coleman und Harry Craddock zu einer der bekanntesten Adressen Europas wurde.

In Paris verlief die Entwicklung ähnlich, wenn auch mit französischem Akzent. Hier mischten sich Elemente des Café mit der amerikanischen Barkultur. Lokale wie das New York Bar – später Harry’s New York Bar – zogen ab den 1910er-Jahren eine internationale Szene an. Die Bar wurde zum Ort für Künstler, Exilanten und Nachtschwärmer, während die traditionellen Bistros weiterhin das Alltagsleben prägten.

Zwischen den Kriegen: Die Bar als Gegenentwurf

In der Zwischenkriegszeit erlebte die Bar in Europa ihren ersten Höhepunkt. Sie wurde zum Symbol für Modernität, Internationalität und eine gewisse Rebellion gegen das Althergebrachte. Während die Prohibition in den USA die Barkultur in den Untergrund trieb, blühte sie in London, Paris und Berlin auf. Hier arbeiteten viele amerikanische Barkeeper, die vor der Prohibition geflohen waren, und brachten ihr Handwerk mit.

Die europäische Bar unterschied sich dennoch von ihrem amerikanischen Vorbild. Sie war oft kleiner, exklusiver und stärker in die Hotel- und Nachtkultur eingebunden. In Berlin etwa entstanden Cocktailbars in den großen Hotels, während in kleineren Lokalen Jazz, Tanz und Drinks zusammenkamen. Nach dem Zweiten Weltkrieg brach diese Kultur zunächst zusammen, um in den 1950er-Jahren langsam wieder aufzuleben – nun stärker amerikanisiert, aber mit eigenen europäischen Akzenten.

Was davon in der Bar übrig ist

Die heutige Barlandschaft Europas ist ein Flickenteppich aus Traditionen. Manche Bars pflegen bewusst das Erbe der Zwischenkriegszeit, andere orientieren sich an New York oder Tokio. Was bleibt, ist die Idee der Bar als Ort der Begegnung jenseits des Alltäglichen – ein Raum, in dem man steht oder sitzt, aber vor allem da ist, um etwas zu trinken, das mehr ist als ein Getränk.

Die europäische Bar hat sich die amerikanische Idee zu eigen gemacht und sie verwandelt. Sie ist langsamer geworden, oft formeller, manchmal nostalgischer. Doch der Kern – die Theke, der Barkeeper, das Ritual des Mixens – ist geblieben. Und mit ihm die Erinnerung daran, dass die Bar einmal fremd war, bevor sie selbstverständlich wurde.

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Häufige Fragen

Wann entstand die erste Bar in Europa?

Die ersten Lokale, die sich explizit American Bar nannten, entstanden in London in den 1860er- und 1870er-Jahren. Sie richteten sich zunächst an eine internationale Klientel und brachten das amerikanische Barkonzept nach Europa.

Warum setzte sich die Bar in Europa später durch als in Amerika?

Europa hatte eine lange Tradition von Wirtshäusern, Cafés und Salons, in denen man sitzend bedient wurde. Das Stehen an der Theke galt als ungewöhnlich und passte nicht in die bestehende Trinkkultur. Erst mit der Modernisierung und dem Einfluss amerikanischer Barkeeper änderte sich das.

Welche Rolle spielte die Prohibition für die europäische Barkultur?

Während die Prohibition in den USA die Barkultur in den Untergrund drängte, flohen viele amerikanische Barkeeper nach Europa und brachten ihr Handwerk mit. Das trug wesentlich zur Blüte der Barkultur in London, Paris und Berlin in den 1920er-Jahren bei.

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