Der Collins ist einer dieser Drinks, die auf den ersten Blick unspektakulär wirken – und doch steckt in ihm eine der spannendsten Geschichten der Cocktailkultur. Ursprünglich als erfrischende Abwandlung des Sours konzipiert, entwickelte er sich im 19. Jahrhundert zu einem der ersten global verbreiteten Longdrinks. Sein Name ist heute Synonym für eine ganze Familie von Mixgetränken, doch die Frage, wer ihn wirklich erfunden hat, bleibt umstritten. Eines ist sicher: Ohne ihn sähe die moderne Barkarte anders aus.
Die Geburt eines Klassikers: Wer hat den Collins wirklich erfunden?
Die gängigste Erzählung führt den Collins auf John Collins zurück, einen Barkeeper des Londoner Limmer’s Hotel in den 1820er-Jahren. Dort soll er erstmals einen Gin Sour mit Sodawasser verlängert haben – eine Innovation, die den Drink leichter und spritziger machte. Doch schon damals gab es Zweifel: Einige Quellen nennen stattdessen einen gewissen Tom Collins, dessen Name später sogar in einem weit verbreiteten Scherz des 19. Jahrhunderts verewigt wurde. Der sogenannte „Tom-Collins-Hoax“ trieb ganze Städte in Aufruhr, als Gerüchte über einen angeblichen Schwindler namens Tom Collins die Runde machten. Ob der Cocktail nun nach dem Barkeeper oder dem Mythos benannt wurde, bleibt unklar – doch die Verbindung zu Gin war von Anfang an gegeben.
Interessant wird es, wenn man die Rezeptur genauer betrachtet: Der ursprüngliche Collins bestand aus Gin, Zitronensaft, Zucker und Sodawasser – eine Kombination, die heute als Tom Collins bekannt ist. Erst später entstanden Varianten mit anderen Basisspirituosen, die den Namen des Erfinders (oder des Scherzes) übernahmen. Der Whiskey Collins, der Vodka Collins oder der Rum Collins sind allesamt Abkömmlinge dieser Idee. Die Frage, ob es sich dabei um eigenständige Kreationen oder bloße Abwandlungen handelt, spaltet bis heute die Gemüter in der Bar-Szene.
Warum der Collins die Barwelt veränderte
Der Collins war einer der ersten Cocktails, der bewusst als Longdrink konzipiert wurde – ein Format, das sich von den kurzen, konzentrierten Drinks der frühen Mixologie abhob. Diese Entwicklung fiel in eine Zeit, in der Sodawasser in Europa und Amerika immer beliebter wurde. Die Erfindung der Sodamaschine im frühen 19. Jahrhundert machte das sprudelnde Wasser erschwinglich und allgegenwärtig, und Barkeeper nutzten es, um bestehende Rezepte zu verlängern. Der Collins profitierte von diesem Trend und wurde zum Vorreiter einer neuen Kategorie: des erfrischenden, alltagstauglichen Drinks, der auch in größeren Runden funktionierte.
Doch der Einfluss des Collins ging noch weiter. Er war einer der ersten Cocktails, der sich international verbreitete und dabei regionale Anpassungen erfuhr. In den USA wurde er mit amerikanischem Whiskey zubereitet, in der Karibik mit Rum, und in Russland fand man ihn später sogar mit Wodka. Diese Flexibilität machte ihn zum Vorbild für spätere Longdrink-Klassiker wie den Mojito oder den Gin Tonic. Gleichzeitig blieb er ein Drink der Barkeeper – ein Beweis dafür, dass auch einfache Rezepte mit der richtigen Technik und den passenden Zutaten überzeugen können.
Die Technik hinter dem Drink: Warum der Collins mehr ist als nur „Gin mit Sprudel“
Auf den ersten Blick wirkt der Collins wie ein unkomplizierter Drink: Spirituose, Zitrus, Zucker, Soda. Doch wer ihn einmal selbst zubereitet hat, weiß, dass die Details den Unterschied machen. Der Schlüssel liegt in der Balance zwischen Säure, Süße und Sprudel – und in der Reihenfolge der Zutaten. Traditionell wird der Collins im Glas gebaut, nicht im Shaker. Das bedeutet, dass die Zutaten direkt im Servierglas vermischt werden, was eine andere Textur und einen anderen Geschmackseindruck erzeugt als ein geschüttelter Drink. Der Zucker muss vollständig aufgelöst sein, bevor das Sodawasser hinzugefügt wird, sonst entsteht eine unangenehme Körnung.
Ein weiterer entscheidender Faktor ist die Temperatur. Da der Collins nicht geschüttelt wird, bleibt das Eis länger intakt – und damit auch der Drink länger kühl. Barkeeper achten darauf, dass das Glas vorab gekühlt wird, um ein schnelles Verwässern zu vermeiden. Auch die Wahl des Sodawassers spielt eine Rolle: Hochwertiges, neutrales Sodawasser mit feinen Bläschen unterstreicht die Frische des Drinks, während billige Varianten mit hohem Natriumgehalt den Geschmack dominieren können. Wer diese Feinheiten beherrscht, versteht, warum der Collins bis heute ein Prüfstein für angehende Barkeeper ist.
Häufige Fragen
Ist ein Tom Collins dasselbe wie ein John Collins?
Nicht ganz. Beide basieren auf derselben Grundidee, doch der Tom Collins wird traditionell mit Gin zubereitet, während der John Collins ursprünglich mit Genever oder Old Tom Gin gemischt wurde. Heute werden die Begriffe oft synonym verwendet, doch puristische Barkeeper bestehen auf der Unterscheidung. Der Tom Collins ist die bekanntere Variante und gilt als der „klassische“ Collins.
Warum wird der Collins manchmal als „Sour mit Soda“ bezeichnet?
Weil er tatsächlich eine direkte Weiterentwicklung des Sours ist. Ein Sour besteht aus Spirituose, Zitronensaft und Zucker – der Collins fügt lediglich Sodawasser hinzu, um den Drink zu verlängern und spritziger zu machen. Diese Verbindung zeigt, wie eng die Geschichte der Cocktails mit der Verfügbarkeit neuer Zutaten und Techniken verknüpft ist. Das Sodawasser war der entscheidende Faktor, der aus einem kurzen, intensiven Drink einen langen, erfrischenden machte.
Gibt es regionale Unterschiede in der Zubereitung?
Ja, und zwar erhebliche. In den USA wird der Collins oft mit amerikanischem Whiskey zubereitet (Whiskey Collins), während in Großbritannien und Kontinentaleuropa Gin die bevorzugte Basis ist. In der Karibik findet man ihn mit Rum, und in Russland wurde er später sogar mit Wodka adaptiert. Diese Varianten zeigen, wie anpassungsfähig der Collins ist – und warum er bis heute auf Barkarten weltweit zu finden ist.
Welches Glas eignet sich am besten für einen Collins?
Traditionell wird der Collins in einem hohen, schlanken Glas serviert, das heute als „Collins-Glas“ bekannt ist. Es fasst etwa 300 bis 350 Milliliter und hat eine schmale Form, die die Kohlensäure länger hält. Alternativ kann auch ein Highball-Glas verwendet werden, das etwas breiter ist. Wichtig ist, dass das Glas groß genug ist, um das Eis und die Flüssigkeit aufzunehmen, ohne dass der Drink überläuft.





