Amaretto ist ein italienischer Likör mit ausgeprägtem Mandelaroma, der ursprünglich aus der Lombardei stammt. Der Name leitet sich vom italienischen Wort amaro (bitter) ab, obwohl der Likör selbst süß schmeckt – die Bitterkeit kommt von den Aprikosenkernen, die traditionell zur Herstellung verwendet werden. Mit etwa 28 Prozent Alkohol liegt er im mittleren Bereich der Spirituosen und gehört zu den bekanntesten Likören weltweit.
Was Amaretto ist
Amaretto ist ein Nusslikör auf Basis von Mandeln oder Aprikosenkernen, manchmal auch einer Kombination aus beidem. Die Kerne werden mazeriert oder destilliert, mit Zucker, Alkohol und weiteren Aromastoffen vermischt und zu einem süßen, dickflüssigen Likör verarbeitet. Der bekannteste Vertreter ist Disaronno Originale, der seit 1525 nach einer geheimen Rezeptur hergestellt wird – allerdings ohne echte Mandeln, sondern mit Aprikosenkernen.
Die Herstellung variiert je nach Hersteller: Einige verwenden echte Bittermandeln, andere setzen auf Aprikosenkerne, die ein ähnliches Bittermandelaroma entwickeln. Moderne Produkte enthalten oft Vanille, Karamell oder andere Gewürze, die das Profil abrunden. Die Farbe reicht von Bernstein bis Dunkelbraun, die Konsistenz ist sirupartig. Der Geschmack ist intensiv süß mit deutlicher Marzipannote und einem leicht bitteren Nachklang.
Woran man ihn erkennt
Amaretto riecht sofort nach Marzipan und gerösteten Mandeln. Im Glas zeigt er eine klare, bernsteinfarbene bis dunkelbraune Tönung ohne Trübung. Beim Schwenken bildet er deutliche Schlieren an der Glaswand – ein Zeichen für den hohen Zuckergehalt. Der erste Schluck ist süß, fast schon klebrig, mit einer öligen Textur, die den Gaumen überzieht.
Qualitätsunterschiede erkennt man am Abgang: Billige Produkte schmecken eindimensional süß mit künstlichem Mandelaroma, hochwertige Amaretti zeigen Tiefe, eine Balance zwischen Süße und Bitterkeit und eine komplexe Nussigkeit. Manche Hersteller setzen auf natürliche Aromen und längere Reifezeiten, andere auf Aromastoffe und schnelle Produktion. Das merkt man.
In der Bar
Amaretto ist ein Klassiker für süße Cocktails und Longdrinks. Der Amaretto Sour gehört zu den meistbestellten Drinks weltweit – Amaretto mit Zitronensaft und optional Eiweiß. Auch im Godfather (mit Scotch) oder Godmother (mit Vodka) spielt er die Hauptrolle. Viele Barkeeper mischen ihn mit Kaffee, Sahne oder Schokoladenlikör für After-Dinner-Drinks.
In der Praxis ist Amaretto ein zweischneidiges Schwert: Er bringt sofort erkennbare Süße und Fülle, kann einen Drink aber auch erschlagen, wenn man zu viel davon verwendet. Weniger ist oft mehr. Manche Barkeeper setzen ihn in kleinen Mengen als Modifier ein, um Tiefe und Nussigkeit zu ergänzen, ohne dass der Drink nach Marzipan schmeckt. Er harmoniert gut mit dunklen Spirituosen wie Bourbon, Rum oder Cognac.
Lagerung ist unkompliziert: Amaretto hält sich bei Raumtemperatur über Jahre, sollte aber nach dem Öffnen verschlossen bleiben, damit die Aromen nicht verfliegen. Gekühlt serviert man ihn selten pur, eher auf Eis oder in Mischgetränken.
Häufige Irrtümer
Viele glauben, Amaretto sei immer aus echten Mandeln gemacht – tatsächlich verwenden die meisten großen Marken Aprikosenkerne, die billiger sind und ein ähnliches Aroma liefern. Manche Produkte enthalten gar keine Nüsse, sondern nur Aromastoffe. Das ist legal, solange es deklariert ist.
Ein weiterer Irrtum: Amaretto sei ein Digestif. In Italien trinkt man ihn gelegentlich nach dem Essen, aber er ist kein klassischer Verdauungsschnaps wie Grappa oder Amaro. Dafür ist er zu süß und zu schwer. In der Barkultur wird er vor allem als Zutat verstanden, nicht als Solo-Spirituose.
Und nein, Amaretto ist nicht dasselbe wie Mandelsirup. Sirup enthält keinen Alkohol und schmeckt flacher. Amaretto hat durch die Mazeration oder Destillation eine Komplexität, die Sirup fehlt.
Passend dazu
- Amaretto Sour
- Godfather
Häufige Fragen
Kann man Amaretto pur trinken?
Ja, aber er ist sehr süß und dickflüssig. Pur wird er meist als Digestif auf Eis serviert oder in kleinen Mengen zu Espresso. Die meisten trinken ihn lieber in Cocktails oder Longdrinks, wo die Süße durch Säure oder andere Spirituosen ausgeglichen wird.
Ist Amaretto vegan?
Die meisten Amaretti sind vegan, da sie nur aus Kernen, Alkohol, Zucker und Aromastoffen bestehen. Manche Produkte enthalten jedoch Honig oder andere tierische Zusätze – im Zweifelsfall die Zutatenliste prüfen oder beim Hersteller nachfragen.
Wie lange hält sich Amaretto nach dem Öffnen?
Dank des hohen Zucker- und Alkoholgehalts hält sich Amaretto problemlos mehrere Jahre, auch nach dem Öffnen. Die Aromen können mit der Zeit etwas nachlassen, aber verderben tut er nicht. Verschlossen und bei Raumtemperatur lagern.
Welche Marke ist die beste?
Disaronno ist der Klassiker und in fast jeder Bar vorrätig. Lazzaroni und Luxardo bieten hochwertigere Alternativen mit mehr Tiefe. Für Cocktails reicht eine Standardmarke, für den puren Genuss lohnt sich ein Blick auf kleinere Produzenten mit natürlichen Zutaten.
